Lesen Teil 1 - Schlafzug 2

Viele Tiere können im Winter auf Sparflamme schalten: Igel, Eichhörnchen und viele andere Tiere können das. Wenn es draußen kalt wird, gehen sie nämlich in den Winterschlaf. Wäre es nicht schön, wenn wir die kalten Tage ebenfalls einfach verschlafen könnten? Ganz so gemütlich, wie man es sich vorstellt, ist der Winterschlaf jedoch nicht, erläutert der Biologe Carsten Ortner. Denn der Name täuscht: Mit Schlaf hat das eigentlich nichts zu tun, sondern der Winterschlaf ist ein Energiesparprogramm. In der Wildbahn können Tiere auf diese Weise Nahrungsknappheit überstehen. Ausgelöst wird das Verhalten durch die Lichtverhältnisse der kürzeren Tage. Die meisten Tiere wachen aber zwischendurch auf, um ein paar Vorräte zu essen. Wichtig ist es, Tiere im Winterschlaf nicht zu stören, z. B. durch Bauarbeiten. „Das Aufwecken könnte ihnen schaden“, erklärt Carsten Ortner.

Licht kann sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Ein kurzer Urlaub in wärmeren Gefilden ist deshalb ein bewährtes Mittel gegen den Winterblues. Eine ähnliche Wirkung von Tageslicht und Wärme spielt sich aber auch im Alltag ab. Eine Studie der Pariser Sorbonne zeigte, dass Tageslicht nicht nur gut für die Gesundheit und das Wohlbefinden ist, sondern auch die Leistungsfähigkeit verbessern kann. Wenn die Schüler in Klassenräumen mit größeren Fenstern arbeiteten, steigerte sich ihre Leistung deutlich – weil die Menge an Tageslicht dann größer ist und die Sicht nach draußen besser. Deshalb, so die Forscher, sollte man immer versuchen, Tageslicht als wichtigste Lichtquelle in Schulen und Gebäuden zu nutzen. Zwar müsse dieses Licht durch Kunstlicht ergänzt werden, doch generell sei Sonnenlicht zu bevorzugen.

Im Winter würden wir morgens am liebsten lange im Bett bleiben. Je kürzer die Tage, desto schwerer fällt uns das Aufstehen. Auch bei der Arbeit kommen wir nur langsam in die Gänge und fühlen uns oft antriebslos. „Das ist völlig normal“, erklärt Christoph Jürgens, Professor für Chronobiologie. Müdigkeit und Schlafbedürfnis richten sich danach, wie viele Stunden es hell ist. Das Hormon Melatonin, das das Gehirn in der Dämmerung und Dunkelheit produziert, steuert den Wach- und Schlafrhythmus. Licht blockiert seine Produktion. Deshalb wird man im Herbst und Winter, wenn das Tageslicht schon am Nachmittag schwindet, müde – und erst am Vormittag richtig munter, nachdem die Sonne aufgegangen ist. „Die Menschen im Mittelalter folgten diesem natürlichen Programm des Körpers“, erklärt Jürgens. Heute aber folgen wir nach der Uhr, nicht mehr nach der Sonne – künstliches Licht macht das möglich.

Verfestigen sich gelernte Vokabeln, während wir schlafen? Ja, das funktioniert tatsächlich! Wer sich viel merken möchte, sollte auf regelmäßige Schlafzeiten achten, sagen Schlafforscher. Ob bei Säuglingen, Kindern oder Erwachsenen – im Schlaf prägen sich neue Informationen besser ein. „Mehrere Laborstudien zeigen bereits, dass das Schlafverhalten die geistige Leistungsfähigkeit stark beeinflusst“, erklärt die Psychologin Maja Kühn von der Goethe-Universität Frankfurt. Zusammen mit Kollegen untersuchte sie, ob sich das Schlafverhalten auf die Denkleistung von Kindern im Schulalltag auswirkt. Das Ergebnis: Hatten die Schulkinder gut geschlafen, schnitten sie am nächsten Morgen bei Denkaufgaben deutlich besser ab. Besonders wichtig seien regelmäßige Schlafzeiten, auch das zeige die Studie von Maja Kühn.

Kürzere Tage, dunkle Wolken, Nieselregen: Die kalte Jahreszeit kann ganz schön aufs Gemüt schlagen und für trübe Stimmung sorgen. Sich deshalb zuhause zu verkriechen, wäre aber eine schlechte Idee. Besser: Bewegung im Freien! Eine Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zeigte, dass Bewegung an der frischen Luft gegen den „Winterblues“ hilft. 91 % der Befragten fühlten sich danach besser und zufriedener. Das Sonnenlicht hebt die Stimmung und Bewegung im Freien wirkt als echter Stimmungsaufheller. Körperliche Aktivität setzt Glückshormone frei, Stresshormone werden abgebaut. Deshalb hilft Wandern oder Spazierengehen im Winter besonders gut gegen schlechte Laune.

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