Lesen Teil 1 - Drogen
Wie wollen wir von anderen gesehen werden? Von unserer Schokoladenseite natürlich. Aber es gibt Menschen, die haben keine. Eine Frau mit schiefer Nase mag sich weder im Profil noch frontal zeigen. "Die Nase", so der plastische Chirurg Professor Henrik Menke, "sitzt mitten im Gesicht - so banal das klingt. Zu große Abweichungen von der Norm beeinträchtigen den ganzen Menschen". Der Chirurg, der an der Wiesbadener Wilhelm-Fresenius-Klinik eine Abteilung für ästhetische Chirurgie leitet, lehnt es ab, am Mängelwesen Mensch alles chirurgisch Machbare auszuführen. Keinem unter 18 würde er die Nase operieren - es sei denn, sie ist durch einen Unfall oder eine Krankheit verunstaltet. Menke: "Wenn ich die Probleme nachvollziehen kann, die junge Leute mit ihrer Nase haben, werde ich in allen Details mit den Patienten besprechen, was getan werden kann, lehne es aber ab, mit Videoanimation zu arbeiten. Damit kann ich zwar alles machen, jedes gewünschte Resultat herbeizaubern. Die Realität ist aber eine andere. Aus diesem Grund hat es der Gesetzgeber zurecht untersagt, mit Vorher-nachher-Bildern zu arbeiten".
Der Riechsinn ist unser ursprünglichster Sinn - sagt Matthias Schenk vom Schloss Freudenberg. Wer ihn schärfen will, ist im dort unterbrachten "Erfahrungsfeld der Sinne" an der richtigen Adresse: Sieben Stationen befassen sich mit dem Riechvermögen. Ob klein oder groß, dick oder schmal - auch wenn manch einer die Form seiner Nase schon mal verflucht hat, ohne sie können wir nicht sein. „Es entsteht eine neue Welt, sogar ein ganz neuer Kosmos, wenn man sich mit der Nase beschäftigt", weiß Matthias Schenk. Sein "Erfahrungsfeld der Sinne" wird täglich von rund 400 Gästen besucht. An 140 Stationen im Gemäuer und im parkähnlichen Außenbereich lässt es sich bewusst fühlen, hören, sehen, riechen und schmecken. Der Nase kommt im "Erfahrungsfeld der Sinne" eine zentrale Rolle zu. Schließlich, so Schenk, sei der Geruchssinn gehirngeschichtlich der älteste Sinn. "Er ist ein Ur-Sinn, der uns mit allen Tieren verbindet". Gestützt wird diese Aussage dadurch, dass beispielsweise Säuglinge ihre Mutter riechen, bevor sie sie sehen und hören.
Mit Drogen kennt sich Falko aus. Der sechs Jahre alte Schäferhund sucht für den Zoll nach Kokain, Haschisch und Heroin. Bis zu vier Kofferladungen, meist aus Südamerika, Afrika und Südostasien, beschnüffelt der Vierbeiner am Tag. Rund 300-mal in der Minute atmet er dabei ein und aus - ein wahrer Nasenmarathon. Hunde riechen bis zu eine Million Mal besser als Menschen. Hat der Mensch fünf Millionen Riechzellen, so sind es bei einem Schäferhund 220 Millionen. Grundsätzlich gilt: Je länger die Hundeschnauze, desto besser das Geruchsvermögen. Schnüffler wie Falko können "Stereo" riechen, das heißt, ihre Nase kann zwischen rechts und links unterscheiden. Spürhunde erkennen deshalb auch die Richtung eines Geruchs. Doch die beste Hundenase nutzt nichts, wenn sie nicht geschult wird. So lernen Drogenspürhunde in jungen Jahren, wie sei sogenannte weiche und harte Drogen finden. Werden bei der Ausbildung noch alle Drogen zusammengepackt, so schafft es Falko, sie beim Kofferschnüffeln dann einzeln wahrzunehmen. Bis zu zehn Jahre können Spürhunde des Zolls arbeiten, ehe sie samt ihrer Nase in den verdienten Hunde-Ruhestand gehen dürfen.
Beim Menschen ist das Sehen der Sinn Nummer eins, gefolgt vom Hören und an dritter Stelle dem Riechen. Ganz anders sieht es bei vielen Tieren aus, zum Beispiel bei Hunden. "Ein Hund, der nicht sehen kann, ist wie ein Mensch ohne Geruch - das ist nicht schön, aber auch nicht dramatisch", sagt Ralf Spangenberg, Tierarzt aus Ingelheim. Zum Vergleich: Während die Riechschleimhaut des Menschen rund fünf Quadratzentimeter misst, bringt es der Hund auf 85 Quadratzentimeter und mehr. "Hunde sind Riechweltmeister", bringt es der Tierarzt auf den Punkt. Nicht die beste, dafür die längste Nase der Welt hat der Elefant. "Das Riechen ist allerdings Nebensache - beim Elefanten ist die Nase zum Werkzeug geworden". Er kann damit Baumstämme umschlingen und schleppen, die Nase kann als Rüsseldusche genutzt werden - und natürlich als Esswerkzeug. Interessant sind auch die Nasen der Spinnen. Deren Riechorgane stecken in den Beinen. "Da sind sie ganz nah an den Dingen dran", erklärt Spangenberg. Wiederum anders verhält es sich bei Schlangen: "Sie nehmen über die Zunge Gerüche auf". Und damit nicht genug: Weil die Zunge gespalten ist, können sie auch rechts und links unterscheiden - und genau die Richtung bestimmen, in der sie ihre Beute finden. Auch die scheinbar nasenlosen Fische können riechen. "Haie zum Beispiel riechen und schmecken Blut über Kilometer", so Spangenberg.
Niesen ist eine Reaktion auf die Umwelt. Mal kitzelt Staub die Nase, mal reizt ein chemischer Stoff oder ein anderer Fremdkörper in der Luft unser Riechorgan. Sogar grelles Licht kann durch die Verbindung der Gesichtsnerven zum Niesen führen. Unwillkürlich wird ein Reflex ausgelöst, der die Nase "säubern" soll. Es kommt zu einem explosionsartigen Ausstoßen der Luft durch die Nase - dem Niesen. Allergiker niesen oft serienweise, bis der letzte Reiz aus der Nase entfernt ist. Auf die Reizmeldung hin holt der Körper tief Luft - bis die Lungen maximal gefüllt sind. Dann wird der Atem kurz angehalten. Und schließlich stößt der Körper in Sekundenschnelle die eingeatmete Luft wieder aus. Dabei kann diese leicht eine Geschwindigkeit von 150 bis 160 Stundenkilometern erreichen. Lautlos geht das Niesen selten vonstatten. Das "Ha" - oft gleich mehrfach vor dem befreienden "Tschui" hervorgestoßen - entsteht, weil beim Einatmen die Stimmbänder aufgemacht werden. Beim "Tschui" wird die Luft dann wieder ausgestoßen. Der Laut entsteht, weil gleichzeitig die Zunge hinter die Vorderzähne gepresst wird. Denn der Körper will, dass möglichst viel Luft durch die Nase und möglichst wenig durch den Mund entweicht, daher verschließt die Zunge der Luft teilweise den Weg.
Doping für Drogenspürhunde.
Durch den Geruchssinn die Welt neu erfahren.
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Erst schmecken, dann riechen.
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